Die grauzone - ein Kulturmagazin (1998 -2004)

Wenn der Postmann zweimal klingelt...

Wenn der Postmann zweimal klingelt... | Grauzone 25

„Oh Antje, meine Königin, habt Ihr noch einen Wunsch, den ich Euch nicht von den wunderbar glitzernden Augen ablesen kann?“, fragt mich der braungebrannte Mitzwanziger ehrfurchtsvoll, während er mir eine Traube in den Mund legt.

„Ja, bring mir ma eben einen von den knackigen Jungs, die ich in meiner extra angelegten Kammer aufzubewahren pflege.“, erwidere ich, mich lasziv auf dem Thron räkelnd.

„Die Sklaven bitte!“ haucht mein Gespiele unterdessen verschwörerisch in ein güldenes Telefon und schon stoßen sich die großen, schweren Türen wie von alleine auf und eine Horde gutgebauter Halbnackter betritt nacheinander den Raum. „Hervorragend“, denke ich, als einer meiner Bediensteten hereinstürmt und meine lüsternen Gedanken unverschämt dreist unterbricht : „Mensch Alte, watt träumst du hier eigentlich für’n Schwachsinn. Was denkst du wer du bist?“ „Untersteh Dich!“, erwidere ich erbost und befehle: „In den Kerker mit ihm!“ Doch niemand reagiert auf mich, lediglich die ermächtigten Damen erheben sich von ihren vorgesehenen Plätzen am Herd und schreiten gazellenartig zu den Schönlingen, um sich alsbald auf unsichtlichste Art und Weise zu vergnügen. „Scheiß Angestellte...“ sage ich und greife zu den Trauben....

Als ich schwerfällig die Augen öffne, bemerke ich, dass mich eine fremdartige, nicht zu identifizierende Macht aus dem wohlverdienten Schlaf gerissen hat. Ignorierend räkele ich mich einige Sekunden auf meiner kuscheligen Matratze, welche ich in der Mitte meines Zimmers untergebracht habe, um anschließend auf die rechte Seite zu rollen und einen Blick aus dem großem Fenster zu werfen. Ich bemerke, dass die Sonne scheint und eine wohlige Wärme verbreitet. „Besser is datt auch im Sommer...“ denke ich mir, während ich meinen Kopf langsam in Richtung Uhr aufrichte. „8:14 Uhr und das an meinem freien Tag, so ein blöder Mist.“ schmolle ich, als sich die Störungsquelle erneut zu Wort meldet.

„Kling Klang“, macht es an der Tür. „Na Schön“, sammle ich meine wirren Gedanken, „datt is bestimmt der Postmann und bringt mir meine Lieblingstampons aus Übersee, dann stehe ich mal gnädigerweise auf, betätige den Summer und ziehe mir anschließend schnell watt über, bevor der Mann oben ist.“ Entschlossen richte ich mich auf und werfe einen flüchtigen Blick in den Spiegel, welcher mir sagt, dass ich das Aufstehen um circa ein bis zwei Stündchen nach hinten verschieben hätte sollen. Die halblangen lila gefärbten Haare stehen zottelig in sämtliche Richtungen ab und die kleine Gin-Party gestern Abend spiegelt sich unmittelbar unter meine Augen in Form von großen, schwarzen Ringen wieder. Der Rest des Körpers weist keinerlei Blessuren auf, was ich besonders gut erkennen kann ,da er ausnahmsweise nicht von Kleidung umschmeichelt wird. Diese Tatsache allerdings macht mir aufgrund meines hieb- und stichfesten Plans keine Bedenken.

Meine Augen noch halb geschlossen öffne ich die Tür zum kleinen Flur, indem sich gegenüber der Haustür besagte Gegensprechanlage befindet. Ich spüre einen leichten Windzug, welcher in freudiger Erregung meinen nackten Bauch umspielt, was ich wiederum als äußerst angenehm empfinde. Über ein paar leere Tonic Flaschen stolpernd gelange ich zum an der Wand hängenden Hörer und betätige den grünen Kopf. „Sssssssssss“ ,vernehme ich ganz deutlich aus dem Erdgeschoss. „Häh? Datt hör’ ich doch sonst nicht. Da stimmt doch was nicht!“ fluchte ich leise während es im Hintergrund „Ähem!“ macht. Geistesgegenwärtig wende ich mich dem Räuspern zu und erblicke eine speerangelweit offenstehende Tür, vor der ein uniformierter junger Mann steht und ein unverschämtes Grinsen nicht verbergen kann. Wie in Zeitlupe wandert mein Blick von seinem neugierigem Gesicht auf mein offenherzig präsentiertes Adams- bzw. Evakostüm. „Ach du Scheiße, oh...äh...kleinen Moment...ich muss ma eben...“, schaffe ich es grad noch zu stammeln und husche schleunigst in Adnana’s Zimmer, um mir eins von Ihren Kleidungsstücken überzuwerfen.

„Um Himmels Willen, watt war das denn jetzt? Hab ich das jetzt nur geträumt, oder ist das tatsächlich so passiert?“ Mir meine vom Kneifen schmerzende Stelle am Arm reibend gehe ich zurück in den Flur. „So, jetzt kann’s losgehen. Wo soll ich unterschreiben?“ frage ich, verlegen auf seinen Hemdkragen starrend, als er mir das braune Paket überreicht. „Hier bitte und vielen Dank“ ,erwidert der nette Postangestellte, als er sein heißbegehrtes Autogramm erhalten hat und sich zum Gehen wendet. „Jaja, gern geschehen“, sage ich süffisant in Anlehnung auf den kleinen gratis Striptease, verfluche meine Mitbewohnerin, die offensichtlich vergaß die Haustür beim Verlassen der Wohnung ordnungsgemäß zu schließen und widme mich meinen Tampons...

AntjeT.

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