Die grauzone - ein Kulturmagazin (1998 -2004)

Grauzone Nr. 02

Die zweite Grauzone erschien im Mai 1998

Inhalt

Diese Ausgabe liegt nur als Scan vor: Grauzone Nr 2

Editorial

Subkultur, (lat. -nlat) die, - , -en, besondere, z. T. relativ geschlossene Kulturgruppierung innerhalb eines übergeordneten Kulturbereiches, oft in bewusstem Gegensatz zur herrschenden Kultur stehend.

Soweit die Definitionsklärung dieses geflügelten Wortes. In einer kürzlich erschienenen Ausgabe der „Zitty“ erfahren wir, dass die Szenebezirke Mitte, Kreuzberg und Prenzl’Berg inzwischen out sind. Aber es leuchtet ein neuer Stern am Firmament: Friedrichshain. Hier hat man noch Wohnzimmeratmosphäre durch die Couch in der Ecke in den Clubs, und jeder trendige Kulturschaffende aus Schöneberg oder Mitte sollte sich das doch mal anschauen.

Bislang sind wir von dieser Kunst- und Kulturschickeria verschont geblieben, und das ist auch gut so, obwohl sie mit ihren Preisvorstellungen unser Budget ganz schön aufbessern würden. Was sich da nämlich unter dem Schlagwort Subkultur tummelt, hat mit jener ungefähr genauso viel zu tun wie der „WB13“ mit den „Hackeschen Höfen“.

Während am Kollwitzplatz an die einhundert (!) Kneipen dem Mythos Prenzl’Berg mit seinem aufgebauschten Geschichtsmischmasch von Aussteigern, Bürgerrechtlern und Dissidenten im Allgemeinen frönen und ihn marktgerecht ausschlachten, sieht die Realität bei uns anders aus. Plattenbauten sind seit dem Anschluss an den Westen Synonym für Unwirtlichkeit.

Diejenigen Klubs außerhalb der Innenstadtquartiere, die sich dem Szenechic der Yuppiekneipen und -cafés nicht unterwerfen müssen, werden gnadenlos ignoriert. Es ist nicht mehr der Klub selbst wichtig, sondern wo das Ding steht. Daher wäre es Lifestyle-Zeitungen wie „Zitty“ oder „TIP“ nur konsequent, Veranstaltungen außerhalb ihres Radius gar nicht mehr abzudrucken.

Subkultur findet in den Klubs der aufzumotzenden Erlebnisviertel gar nicht mehr statt. Wichtig ist das Etikett für Touris, die selbst ernannte Lifestyle-Society. Die einzige Chance, dem zu entgehen, ist es, mit eigenem Selbstbewusstsein und straighten Ideen sein Klubprogramm durchzuziehen, ohne zu gucken, ob man auch „IN“ ist.

Also, bevor wir im Jahre 2056 den (West-)Szenemob der Reichen und Schönen am Hals haben, kommt lieber jetzt vorbei!

gak

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