Verwirrte Schokoriegel
Verwirrte Schokoriegel | Grauzone 25
Leidenschaftlich umspielt der Wind mein Gesicht, zappelt in meinem offenen Haar und sorgt für eine angenehme Erfrischung.
Das Dach meines Nissans 100 NX verstieß ich bereits vor geraumer Zeit in die dunkelsten Abgründe des Kofferraumes. Zwar ist Angeberei sonst nicht so meins, aber in diesem Fall bin ich gewillt eine Ausnahme zu machen, denn es ist heiß. Sehr heiß. Der schwarze Asphalt flimmert lustig vor sich hin und Frank wird zusehends weniger auf dem Beifahrersitz. Aber wir halten tapfer durch. Aus den Boxen dröhnt Rantanplan, eine schöne musikalische Hintermalung für einen strahlenden Tag wie ich finde.
Frank sieht das genauso. Meine Geschwindigkeit passe ich fortwährend an die des Fahrers vor mir an, eine gute Möglichkeit, um die Folgen lästiger Blitzgeräte zu umgehen, denn wenn die Wirkung besagter Kameras tatsächlich eintreten sollte, kann ich mich immer noch auf mein opulentes Reaktionsvermögen verlassen. Auch so eine clevere Angewohnheit von mir. „’n bisschen watt über ’ne Stunde bin ick schon gefahr’n, also sind’s noch in etwa zweie...“ rechne ich mir im Kopf die verbleibende Strecke bis nach Berlin aus. „Och, datt geht ja. Da muss man doch was tun!“ „Hunger!“ sage ich laut zu Frank, der dem Erstickungstod schon recht nah ist. Mit der Kondition eines Achtzigjährigen richtet er sich auf, um aus dem Handschuhfach einen Schokoriegel Marke Snickers hervorzukramen.
Ein Lächeln umspielt mein krebsrotes Gesicht. „50 Gramm Zucker und Emulgatoren sind jetzt genau das Richtige für mich“ freue ich mich während Frank die lästige Verpackung entfernt und mir nach vollendeter Arbeit ein leckeres Stück in das nahrungsaufnehmende Organ steckt. „Wirklich hervorragend watt die Jungs und Mädels von der Snickers GmbH & Co. KG für tolle Dinge herstellen. Noch vor einigen Jahren wäre ich ja niemals auf die Idee gekommen, dass es sowatt überhaupt gibt...“ sinniere ich weiter über die drastischen Folgen einer Nicht-Wiedervereinigung, als eine Frage an mein rechtes Ohr dringt. „Bitte?“ fordere ich Frank zur Wiederholung ebenjener auf, da sie durch widrige Umstände ungehört blieb. „Soll ich Dir noch watt innen Mund schieben?“ „Spinnst du?“ antworte ich empört „Ich muss mich auf die Strasse konzentrieren!“
Kopfschüttelnd fahre ich bis zur nächsten Tankstelle, an welcher ich den Wagen stoppe und mir vor lauter Entrüstung vorerst lediglich meinen Snickers in den Mund schiebe.
AntjeT.