Sex am Telefon
„Mit 17 hat man noch Träume…“, heißt es doch immer so schön. Ich persönlich kann ein Lied davon singen. Mein heimlicher Traum, einmal Geld mit spannenden Telefongesprächen zu verdienen, rückte banalerweise im Jahre 1997 in erschütternde Nähe. Ich – naiv, aber kein bisschen schüchtern – suchte seinerzeit eine neue Behausung, da mir die alte aufgrund nervender Nachbarn zu unattraktiv für meine Belange erschien.
Diese Tatsache führte also zu der Entscheidung, eine Anzeige folgenden Wortlauts zu schalten: „17-jähriges Mädchen sucht Zimmer zwecks Wohnen in der Preislage 300–400 Deutsche Mark“ in der Freiburger Zypresse. Die Resonanz hierauf war erstaunlich groß. Am Tag erreichten mich ca. 20–40 Angebote, allesamt mehr oder eben weniger interessant. Oftmals klingelte der Apparat sogar noch spät in der Nacht; zumeist waren die Belange jener Anrufer allerdings äußerst perverser Natur. Von „Ey du geile Sau, willsch fick’n?“ bis „Boaaah, mir geht voll einer ab…“ – es war alles dabei. Weitere Beispiele sind nicht von der Hand zu weisen, an dieser Stelle jedoch etwas fehlplatziert. Ich hingegen schenkte diesen Offerten keinerlei Beachtung und legte den Hörer zum Schlafen auf seinen wohlverdienten Platz.
Eines Abends aber – ich hatte vor lauter Langeweile mein Rechnungswesen-Lehrbuch zur Hand genommen – nahm ich ein interessantes Telefongespräch entgegen. Am anderen Ende befand sich ein junger Mann mit leiser, gequälter Stimme. Anfangs vermochte ich seine gegenwärtigen Aktivitäten nicht zuzuordnen, dachte an Selbstmordversuch oder das genaue Gegenteil, doch schon bald stellte ich mit Verzückung fest, dass dieser Mensch einer anderen Geschäftigkeit nachging.
„Kann ich dir etwas sagen? Aber versprich, dass du mich nicht auslachst!“ „Natürlich, immer raus mit der Sprache.“ „Ich hol mir grad einen runter…“ „Ahaaa… sehr interessant. Dann erzähl mir doch mal davon.“ „Ich sitze auf dem Teppich, nur in einem Shirt bekleidet.“ (hämisch) „Wirklich sehr erotische Vorstellung. Und was würdest du jetzt am liebsten tun?“ „Oh mein Gott, ich würde auf der Stelle -------------------------- und zwar mit der Zunge!“ (zensiert) „Soso… wie stellst du dir das denn vor? Ich meine: Würdest du mit deiner Zunge ----------------------- oder eher an einer anderen Stelle?“ (zensiert) „Ahhhhhhh… ich komm gleich. Wo soll ich denn damit hin? Sag’s mir, bitte, bitte!“ (Befehlston) „Ach so, ja, lass doch einfach kommen; aber mal was anderes: Sag mir doch eben mal, ob die Gleichung 2x + 3 = 0 äquivalent zu 2x = –3 oder eher zu 2x = 3 ist!“
Stille und Klick.
„So ist das also“, dachte ich bei mir, „und da heißt es immer, Männer sind nur glücklich, wenn sie die Frau auch befriedigen konnten.“ An diesem schönen Abend im Jahre 1997 wurde ich eines Besseren belehrt.
– A –