The Beach
The Beach | Grauzone 24
Ich starre hinaus auf´s Meer. Welle um Welle rollt breit und langsam an den leeren, weiss-grauen Strand und produziert einen auseinanderlaufenden Stereoeffekt. Irgendwo hinter dem Horizont steht ein gigantischer Fön und bläst gleichmäßig auf Heizstufe 4 über das weite, unheimlich breite Meer. Im Halbschatten unter den (Tut mir leid, aber es sind nun mal: )
Kokospalmen brennt die Sonne nicht so schmerzhaft auf der hellen, ausgeblichnen Haut. Es ist hell. Sehr hell. Das leichte Schmerzen in den Augen geht nur abends weg. Alles in allem ziemlich billige Pauschalurlaubfantasien. Realität! Es ist schön hier, aber unwirklich. Naja, nachher muß ich dann noch zu...nirgendwo hin. Freizeit. Keine Verabredungen, keine Termine, keine Sachen, die unbedingt noch erledigt werden müssen. Niemand,
den ich noch unbedingt anrufen muß. Niemand, der irgendwas von mir will. Nichts. Freie, leere Zeit bis zum Abwinken. In mir raste unaufhörlich ein Zug mit wahnsinniger Geschwindigkeit über blitzende Schienen und jemand hat sich mit aller Kraft in die Notbremse gehängt, so daß die stählernen Räder blockiert und funkensprühend über die Schienen unhörbar laut kreischend weiterrasen. Ich warte darauf, daß der Zug anhält. Noch rast er mit ungeheurer Wucht weiter über die blitzenden Schienenstränge. Ich starre auf die Wellen, die breit und langsam an den Strand rollen und einen auseinanderlaufenden Stereosound produzieren. Heizstufe 5. Wow! Ich müßte mich langweilen und erwarte jeden Augenblick den Impuls, aufzustehen und mir zu überlegen, was ich denn jetzt mache. Der Impuls kommt nicht. Ich sitze bewegungslos da und starre auf´s Meer hinaus. Heizstufe 4, dann wieder 5. Welle um Welle rollt breit und langsam an den Strand und produziert einen auseinanderlaufenden Stereosound. Scheiße! Der Bayer kommt! Er ist schon 3 oder 4 Wochen hier an diesem Ort mit nichts als Strand, den wenigen, kleinen Bambus-mattenhüttchen und den hohen Kokospalmen. Er spricht kein Thai und die zehn bis zwölf anderen Urlauber hier sind bis auf einen alle Franzosen und er spricht auch kein Französisch. Er langweilt sich schon ziemlich, weiß es aber wohl scheinbar nicht. Ich langweile mich nicht und weiß es. Er will sich unterhalten. Ich nicht. Er kommt näher, nur noch ein paar Meter. Wir nicken uns über die Distanz grüßend zu. Er sieht zögernd zu mir; überlegt, ob er noch näher kommen und mich ansprechen soll. Ich greife Stift und Papier und starre offensichtlich stark nachdenkend auf´s Meer hinaus. Er wendet sich ab und geht weiter. Ich atme auf und entspanne mich wieder. Er bleibt wieder stehen und sieht sich zu mir um. Ich beginne mit nachdenklich-krauser Stirn ganz offensichtlich gerade den Koran, die Bibel und das Kapital neu zu schreiben und bin im Moment überhaupt nicht ansprechbar. Er seufzt unmerklich und dreht sich dann wieder zu Wasser und entfernt sich, langsam den Strand entlang spazierend. Ich lege Stift und Papier wieder weg, denke kurz über die Syntax dieses Satzes nach und starre wieder auf das weite, unheimlich breite Meer und die Wellen. PATE