Rentnerinnen auf den Boden legen
Rentnerinnen auf den Boden legen | Grauzone 24
Ich war begeistert, wie flexibel das Internet Reisen gestalten kann. Von der Hotelsuche über den Lageplan bis zur sofortigen Buchung war alles sofort möglich. Doch der Bahnhof Hanau-Nord gleicht eher der Endhaltestelle eines Schienenbusses, als dem Flughafen Frankfurt (Main). Nicht mal ein Taxi fand sich, um mich zum Turm-Hotel zu bringen. Am Ende eines drittklassigen Gewerbegebietes, welches vom Bahnhof aus nur über die Schienen zu erreichen war und auf dem die größte Halle 6 Meter nicht überragt, stand ein Hotel, das mit seinen 2 Stockwerken wahrlich nicht mal dort an einen Turm erinnerte. Die Welt war an dieser menschenlosen Zivilisationswüste zu Ende und wie zum Hohn verlief 100 m weiter eine Autobahn. Das Hotel selbst war makellos, lediglich überrascht war ich über die Blüten, die ökologisches Bewußtsein zwischen Auto- und Eisenbahn in einem Gewerbegebiet treiben kann. In dem wirklich stilvoll gefliesten und sauberen Bad stand ein Kärtchen auf dem ausladenden Keramikwaschbecken, auf dem stand: „Werter Gast, der Umwelt zuliebe bitten wir Sie, Handtücher, die Sie nicht mehr benutzen auf den Fußboden zu legen. Danke“. Gesagt getan, wenn das der Umwelt zuliebe geschieht, bin ich bereit einigen Blödsinn anzustellen. Enttäuschender, als das ökologische Missverständnis der Hanauer Hotellerie, war die Erfahrung, das ICEs nicht nur von ruhigen gutriechenden und neutral gekleideten Geschäftsleuten frequentiert werden, sondern leider auch von lauten, gelangweilten Rentnerinnen, die sich ohrenbetäubend (mir wurde klar, das nicht Alter Grund für zunehmende Taubheit im Lebensabend ist, sondern der Umgang mit diesen Schreihälsen, ein Teufelskreis, wie man sich vorstellen kann) über die Finanzierung gewisser Kongresse unterhalten, die sie selbst veranstalten. Kernthemen dabei sind die Höhe des Trinkgeldes für den Busfahrer (eine oder zwei Mark, im Ernst), die Frage, welches Busunternehmen belästigt werden sollte oder wo Kaffee und Kuchen in den letzten 25 Jahren am besten waren. Wahrlich eine Aufgabe für Helden und Menschenrechtler dabei nicht rentnerfeindlich zu werden. So stellte ich mir auch bald die Frage, ob man nicht Kärtchen auf alle Sitze eines jeden ICEs stellen sollte, auf denen steht: „Werte Fahrgäste, der Umwelt zuliebe bitten wir Sie, laute und gelangweilte Rentnerinnen auf Scheinkongressfahrten mit dem Mund nach unten auf den Boden zu legen. Danke“.
Sich gegen Rentnerfeindlichkeit im Allgemeinen, aber nicht im Speziellen verwehrend, R.K.