MZ-Story, Teil 6
MZ-Story, Teil 6 |Grauzone 24
Nach diversen Rundgängen im Internet wurde mir langsam aber sicher klar, daß MZ sich zu einer Marke entwickelt hat, von welcher sie zu DDR-Zeiten nur hätte träumen können. Ca. 80% der Webseiten stammen aus der größeren Hälfte Deutschlands. Dort wird die MZ bereits als Kultobjekt gefeiert. Einher mit diesem Phänomen geht ein reger Ersatzteilh andel, mitunter zu Dumpingpreisen, die schon wieder an die gute alte Zeit erinnern. Das scheint jedoch an fast allen lokalen Händlern jedoch unbemerkt vorüberzuziehen. So gut wie alle gängigen Verschleißteile gibt es in den virtuellen Läden etwa 60-80% billiger. Dieses Sachlage ließ mich noch mal einige, teilweise recht unschöne Eindrücke mit den normalen (Ost)-Ladengeschäften Revue passieren und verleitete mich gleichzeitig zu einer neuen Folge der MZ-Story.
Das es in den hiesigen Geschäften nur so von ungehobelten Ladenschwengel n wimmelt wird jeder wissen, der schon einmal dem Penny in Weißensee/ Charlottenburger Strasse besucht hat. Unvergleichlich schlimmer steht es jedoch um die Kundenbetreuung (wenn man diesen Ausdruck in diesem Zusammenhang überhaupt in den Mund nehmen darf) der alteingesessenen MZ Händler bzw. Werkstätten. Gegönnt sei ihnen, jenseits jeglicher marktrelevanter Gesetze ihr Geschäft zu führen; nur wenn der Kunde (in dem Falle ich und viele andere) nicht den geringsten Anspruch an Verfügbarkeit von Teilen und Freundlichkeit stellen kann, geht einem doch eins ums andere Mal die Hutschnur hoch. Ein paar Exemplare der Gattung unfähige MZ-Ersatzteilhändler möchte ich an dieser Stelle genauer unter die Lupe nehmen. Die Reihenfolge soll kein Ranking sein, sondern ist eher eine Rangfolge des Abklapperns wenn mal Not am Mann ist. An erster Stelle sei hier Auto-Meier in der Greifswalder Straße genannt, meinen am meisten frequentiertem Laden. Hinter der Ladentheke steht immer Hacken zusammen und Hände an der Hosennaht der weibliche Teil Weigel (nicht Meier??) und versinkt nach Kundenwunschäußerung im Ersatzteilkatalog, um nach erfolgreicher Suche ihrem Manne Order zum Finden des gesuchten Teils zu geben. Dieser mümmelt und meckert, unsichtbar für den Kunden, im Hintergrund in einem schier unergründlichen Regalwald um nach 5 Minuten wieder aufzutauen und seine Frau in ca. 8 von 10 Fällen mit der Aufforderung zur Nachbestellung belästigt (Übrigens durfte ich dort auch schon einem ausgewachsenem ehelichen Streit beiwohnen, dessen Urheber ich war als es darum ging welches Teil an mein Motorrad gehört; aber das nur nebenbei). Also wieder nix. Überlegen, wer jetzt am nächsten ist. Am nächsten ist Doktor Streu, das widerlichste Exemplar aller MZ-Buden weit und breit. Zu Ostzeiten sogenannte Vertragswerkstatt für MZ und nach der Wende auch Honda-Händler, muß er sich heute offensichtlich keine Gedanken mehr um Verkaufszahlen, Bilanzen und Geld machen. Im besonderen meine ich hier eine Lederschwuchtel mit Nackenspoiler bis zum Arsch runter und arg eingerostetem Stimmorgan. Von der Sache her habe ich nicht wirklich Probleme mit maulfaulen Menschen, aber ich kann doch zumindest eine Antwort auf eine konkret gestellte Frage erwarten. Doch außer einem kaum verständlichen zusammenhanglosem Gebrubbel ist hier nichts zu holen. MZ-Teile gibt es auch nur in sehr geringem Umfang (also eigentlich überhaupt und gar nicht). Man hat das Gefühl das er sich nicht von den kostbaren Stücken trennen kann. Auch drängt sich der Gedanke auf, daß hier interne Wetten kursieren, wer einen Kunden am besten abschmettern kann und immer nur einer gewinnt (wer mir nicht glaubt, der gehe in die Streustrasse und verlange zum Beispiel Kettenspanner für die 250er ETZ o.ä.). Trotz allem und gerade deswegen vergebe ich hier das Prädikat “besonders wertvoll”. Bei Doktor Streu also auch wieder nix; dann wäre der nächste MZ-Jung in Pankow. Hier haben wir es mit einem Ostler der alten Schule zu tun. Nicht weil er die gängigsten Verschleißteile nie da hat und wahrscheinlich immer wartet bis ihn ein Kunde durch Kaufwunsch erinnert sein Lager mal wieder zu aktualisieren. Nein, dieser Kerl scheißt mit Vorliebe Leute zusammen, die mit ungeputzten Motorädern auf seinen Hof fahren. Ich mußte mich zum Beispiel mal anranzen lassen, weil meine Kette seiner Meinung nach nicht genügend gefettet war. O-Ton:”Is Trockenlauf jetz' modern?” Ich vermute, daß solche Vergehen mit einem Extraobolus geahndet wird, denn ich bezahle bei ihm immer die merkwürdigsten Summen, die er vorher mit seinem Taschenrechner zusammentippt. Inzwischen habe ich mir angewöhnt, auf der Strasse zu parken. Das letzte Geschäft, das hier vorgestellt werden soll befindet sich am äußersten Ende von Karlshorst und mutet von der Örtlichkeit her ein wenig wie ein alter Stasiunterschlupf an. Aber auch im inneren schein die Zeit stehengeblieben zu sein. Nicht selten trifft man hier den Idealtypus Ost mit Wattejacke und Honeckerhütchen, der sich nach den Gebrauchtpreisen der 350er Java Cz erkundigt bzw. Teile für seine Trophy Sport sucht. Der Besitzer hat immer seinen Begrüßungsgeldknistertrainingsanzug an und baut immer wenn ich da bin an der selben Simme rum. Auch scheinen die alten Connections noch zu funktionieren, denn kriegt man wirklich alles! Und zwar neu und gebraucht. Eine sehr wohltuende Ausnahmeerscheinung. Es kommt zwar vor das man für einen sehr! alten gebrauchten und unansehnlichen Drehzahlmesser genauso viel bezahlt wie für einen neuen aber wer will hier schon Erbsen zählen. Gut Ding kostet eben...
Henne