Die grauzone - ein Kulturmagazin (1998 -2004)

TV Terror: Die Lindenstraße

TV Terror: Die Lindenstraße | Grauzone 07

Sonntag 18.40: Kein Türeklopfen und kein Telefonschellen darf die heiligsten achtundzwanzig Minuten der Woche unterbrechen. Bei manchen Leuten käme die Sünde des Störens ungefähr einem coitus interruptus gleich oder aber mindestens einer Unperson mit Turmfrisur im Kino vor einem. Was ich eigentlich sagen will: Es soll tatsächlich Menschen geben, die so einiges für die Lindenstraße fahren lassen würden. Ja, auch ich gehöre zu dieser Gattung und schäme mich dessen nicht.

Um die Lindenstraße zu verstehen, muss man wissen, dass der Autor Hans W. Geißendörfer ein sogenannter Altachtundsechziger ist, was so viel heißt wie nicht erfüllte Wünsche aus der Zeit der Jugendsünden in die Zukunft zu projizieren. Und genau das ist das Geheimnis. Die Quote als Garant für PC-Fernsehen, als da wären: Vasily, ein Grieche, Inhaber eines Restaurants in der Lindenstraße in München, namens „AKROPOLIS“, in dem sich zu ca. 95 % das gesellschaftliche Leben der Bewohner der Lindenstraße abspielt. Die restlichen 5 % teilen sich ihr Dasein entweder beim (behinderten) Doktor Dressler bzw. auf der Straße, auf der sich unter anderen auch Harry Rowohlt, vormals Besitzer des gleichnamigen Verlages, als Penner rumtreibt.

Ansonsten gehört natürlich in jede linksalternative Serie eine Studenten- bzw. Zivi-WG, die auch immer ordentlich subversive Aktionen zusammen an den Start bringt (T-Shirts für verkehrsberuhigte Lindenstraße tragen …). Im Prinzip soll der immerwährende Konflikt zwischen konservativ-faschistoid und rot-grün bis linksradikal in dem Mikrokosmos Geißendörfer, äh Lindenstraße, gefügt werden und uns klar machen, was politisch falsch oder richtig ist. Niemals würden wir uns auf die Seite von Olaf Kling schlagen, der aus reiner Menschenliebe eine von der Abschiebung bedrohte Afrikanerin heiratet und sie dann wie ein Kolonialherr vor hundert Jahren als Haussklavin behandelt. Dann schon lieber mit Hansemann Beimer fiebern, der, politisch korrekt wie er ist, dem militanten Atomkraftgegner Zorro seinen Pass zum illegalen Grenzübertritt gibt.

Irgendwie ist zwar alles durchschaubar und es wimmelt nur so von Prototypen der oben genannten Fraktionen, aber trotzdem erhält die Lindenstraße von mir das Prädikat: „nur selten verpassen und sich mit seinen Mitmenschen über die letzte Folge austauschen“.

Lindenstrasse sonntags18.40 ARD Internet: http://www.lindenstrasse.de/

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