Die Party geht weiter...
Soziologiestudenten dikutieren über das Internet, jeder Proll hat ein Handtelefon, jeder ranzige 14jährige zerschrottet pro Monat einen Roox-Vorbau und über ´nen Benz redet schon gar keiner mehr. Es wird für den elitären Bürger heutzutage immer schwerer sich als solcher zu erkennen zu geben. Weder durch Kenntnisse spezieller Sachgebiete noch durch Statussymbole ist der gesellschaftliche Genius heute ohne die Gefahr, als wegknallter Freak zu gelten leicht darstellbar. Schliesslich ist Geseiere über die Qualitäten verschiedener Saucen in den Strandbars von Schmiglidistan nicht eli- sondern pubertär. Nichtzuletzt um diesem Mangel Abhilfe zu schaffen, entsteht „Monat für Monat“ dieses Heft (Die Anführungsstriche in diesem Satz sind ein cooler Insider-Joke. Fühlen Sie sich erlaucht, wenn Sie sie verstehen!). ..... Das kolumnistische Geplänkel rinnt einem so aus den Fingern, und plötzlich denkt man wieder daran, das Krieg ist! Die Leichtigkeit und Belanglosigkeit versiegt, Ernsthaftigkeit drängt sich in den Text. Die Zeit spätjugendlichen beschwingten Dahinlebens scheint in gewissem Masse vorbei. Zwar scheint sich zur Zeit des Schreibens eine Art Einlenkens (=Geschlagenseins?) der serbischen Führung abzuzeichnen und damit vielleicht auch ein eventuelles (vorläufiges?) Ende des Krieges, aber eines wird auch dann bleiben: Wir leben in einem Staat, der seine politischen Interessen mit tötender Gewalt radikal durchsetzt! Mir iss schlecht. Jahrelang war relatives Unpolitischsein halbwegs ohkee. Natürlich war man gegen Bafög-Kürzungen, strassenschlachtete am 1. Mai und war gegen dieses und jenes. Man wählte linke Randparteien und war aber ansonsten politikverdrossen. ´Ist das heutezutage vor sich selbst noch verantwortbar?´, denke ich so bei mir. Wenn nicht mehr die sowieso bösen US-Amerikaner splatternd durch die Welt ziehen, sondern der schonimmerblöde Sack von früher aus der Schule beim Klassentreffen jetzt stolze Bomberpilot- Geschichten erzählt?
Es kotzt mich an! Ich bin kein schaumiger Pazifist, der sagt:“ Gewalt- böse, böse. Nich aua machen“. Wenn sich inner Kneipe zwei Typen gegenseitig auf Maul hauen wollen- sollen sie es machen. Und wenn mich jemand anmacht und GAR NIX mehr hilft- tue ich, was getan, werden muß: Ich wehr mich! Aber, verdammt, dieses Morden für Macht (und nicht für dieses humanitäre geblubber, das kümmert die Säcke doch ´n Scheiss!)
- das kotzt mich an! Das ist mehr als ich vertragen will! Doch was soll ich machen? Eines nachts gehe ich los und sprüh meine Missfallen über diese Regierung, die ich nicht gewählt habe in ein paar U- Bahnhöfe (Stichwort: Massenmobilisierung). Am nächsten Morgen ist alles wieder weg. Das war es wohl noch nicht. Ich geh zu einer Demo und seh die ewig gleiche Demoszenerie: Ein paar 15-jährige sind mal richtig alternativ und kreischen: „Ich bin nichts, ich kann nichts...“, ein paar Politsekten- Mitglieder verteilen Flugblätter, auf denen Chin Gach Gook als der einzig wahre politsche Führer der Menschheit angepriesen wird, und ein paar Studenten stehen dumm in der Gegend herum und kiffen erstmal ne Runde. Alles wie immer und unser Staat führt Krieg. Das iss es auch nicht! In einer Kneipe finde ich ein holzfreies DIN A4- Blatt : „NATO vors UNO- Kriegsverbrechergericht“ nicht viel, aber immerhin. Das iss immerhin schon was. Es sagt mir wenigstens, daß ich noch nicht alle gleichgeschaltet sind. Nur was ändert das? Noch nichts! Irgendwas läuft hier richtig schief- denn ich merke etwas nicht nur bei mir: Man gewöhnt sich dran! Wie an verschärfte Polizeigesetze, an eine CDSPUD-Regierung unter Helmut Schröder... an die ganze Scheiße!!!! „Sicher es is nich schön- aber wat soll man machen?“ Ich denke manchmal:“Deutschland als kriegsführende Nation- das ist der gesellschaftliche SuperGAU!“ Woanders machen die Leute da GENERALSTREIK! Aber wir? Ick? SCHEISSE!!! SCHEISSE!!! SCHEISSE!!! SCHEISSE!!! Der Vaterlandsverräter